
Foto/Ursprüngliches Layout: Anja Itter
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Wilhelm Braun-Feldweg Förderpreis 2009
Designkritische Texte, Vol. 3
Anne Theresia Wanders
SLOW FASHION
Einführung: Ruedi Baur
ISBN 978-3-7212-0710-1
Mit meiner Arbeit SLOW FASHION ist erstmals das Thema Mode in der Reihe Designkritische Texte vertreten. Das Buch erscheint im Schweizer Niggli Verlag inklusive englischer Übersetzung mit einem Vorwort des Schweizer Designers und Professors Ruedi Baur und einer Dokumentation der Geschichte des Wettbewerbs.
Die Preisverleihung findet am 30. November um 19h in der Akademie der Künste Berlin (Pariser Platz 4, 10117 Berlin) statt.
SLOW FASHION ist ab dem 30. November im Buchhandel erhältlich sowie über den Niggli Verlag und Amazon.
Auszug: «Eigenverantwortung»
Trotz scheinbar grenzenloser Informationstechnologie und geschickten PR-Maßnahmen bleibt für jeden einzelnen potenziellen Kunden das Problem der Auswertung der Informationen. Ist zum Beispiel Bio-Baumwolle wirklich bio oder wurde sie nach der pestizidfreien Zucht mit schädlichen Chemikalien gefärbt? Ist Bambus besser, weil es zu viele Baumwollmonokulturen gibt? Ist Pelz gut, weil er ein organisches, nachwachsendes Material ist, oder ist Kunstpelz aus Polyacryl die bessere Variante, obwohl es eine Chemiefaser ist? Sind Polyesterkleider vielleicht am Ende besser, weil haltbarer und pflegeleichter und theoretisch recyclebar? Leicht beantworten lassen sich solche Fragen nicht, und die unklaren Antworten lassen sich noch viel weniger klar kommunizieren. Die Grenzen zwischen sinnvoll auf das Nötigste beschränkten Informationen und simplifizierendem Greenwash sind daher auch fließend. Teils fehlt es an klaren Definitionen, teils ist der Modejournalismus auch eher von griffigen Slogans als von Fakten und sachlichen Formulierungen geprägt.
Inhalte können kaum überprüft werden und Richtlinien und Strategien für nachhaltiges oder ökologisches Modedesign werden gerade erst erstellt, sind stark interpretierbar oder müssen sich noch bewähren. Die lückenlose Dokumentation der Herkunft bedeutet noch nicht, dass man die Kompetenz zur Auswertung hat oder sich aus ihr klare Handlungsempfehlungen ableiten lassen. Der bewusste Käufer wird daher nicht umhin kommen, die Balance zwischen kritischer Recherche und Vertrauen in Quellen und Zertifikate zu finden.
Über das reine Material hinausgehend, scheint mir wichtig, Mode als Gebrauchsgut wahrzunehmen, deren Abnutzungsspuren Teil der eigenen, gewachsenen Identität sind. So kann man sich von flüchtigen Trends lossagen und Kleider kaufen, die sich lange gebrauchen lassen, deren Gebrauchs- und Nutzungsspuren zu Merkmalen der Identität werden, zu Marken der eigenen Geschichte. Bilder von Schönheit, Luxus und Überfluss widersprechen dem Ansatz von Slow Fashion. Es liegt in der Verantwortung des Einzelnen, zu entscheiden, wie sehr er sich solchen Bildern hingibt. Ein ehrliches Eingeständnis der eigenen Unwissenheit und ein Bekenntnis zu den besten Absichten bieten wohl die besten Voraussetzungen für Fortschritt. Ein Konsument, der nicht aufhört, Fragen zu stellen und nach Antworten zu suchen, ist auch als Ideengeber für Designer bedeutend.
Aus: Wilhelm Braun-Feldweg Förderpreis. Designkritische Texte/ Design Critical Texts Vol. 3: Anne Theresia Wanders „Slow Fashion“, Sulgen/Zürich/Berlin, 2009, S.61f.





